1. Pommern das Land am Meer
Allgemeines: Die Großlandschaft südlich der Ostsee von der Darßer Nehrung im Westen bis zum Zarnowitzer See im Osten wird zu deutsch Pommern genannt. Die untere Oder mit Dammschem See, Papenwasser und Stettiner Haff trennt das in Deutschland (Meckl.-Vorpom.) gelegene Vorpommern (West-Pom.) von Hinterpommern (Ost-Pom.) in Polen. Die Oberflächengestalt Pommerns ist von eiszeitlichen Aufschüttungen geformt worden. Ost-Pommern wird vom Pommerschen Höhenrücken mit der Pommerschen Seenplatte (u.a. Dratzig-, Vilm-, Großer Böthinsee), 200-260 m ü.M., durchzogen. |
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Dem Hügelland ist eine breite Ausgleichsküste mit Strandseen (u.a. Jamunder See, Garder See, Lebasee) vorgelagert. Die flache Küste West-Pommerns ist durch Inseln (Rügen, Hiddensee, Greifswalder Oie, Usedom, Wollin), Bodden und Haffs reich gegliedert. Im Süden des Stettiner Haffs liegen waldreiche Heidegebiete (Ueckermünder, Gollnower Heide), im SW um den Madüsee (35,5 qkm) das Madütiefland. Land- und Forstwirtschaft überwiegen; an der Küste Fischerei. Die Industrie West-Pommerns ist in Stralsund und Greifswald, die Ost-Pommerns in Stettin, Kolberg, Köslin, Stolp, Schneidemühl und Stargard konzentriert. Geschichte: Nach dem Abzug ostgermanischer Stämme wanderten bis zum 6./7. Jahrhundert slawische Stämme ein, die das Land Pomorje (= Land an der Küste) nannten. In Kämpfen mit Deutschen, Dänen und Polen entstanden im 12./13 Jahrhundert· das slawische Herzogtum der Samboriden mit Sitz in Danzig, westlich davon das Herrschaftsgebiet des slawischen Fürstenhauses der Greifen mit der Stammburg Stettin. Die Christianisierung (Otto von Bamberg, 1124-28) und die Gründung von Klöstern in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. zogen deutsche· Siedler nach sich. 1181 wurde Herzog Bogislaw I.· als Reichsfürst anerkannt und mit Pommern belehnt. Nach mehreren Teilungen besaß Bogislaw X. 1478 ganz Pommern und erhielt 1521 den kaiserlichen Lehnsbrief. Brandenburg erwarb im Westfälischen Frieden (1648) den östlich der Oder gelegenen Teil Pommerns (später Hinterpommern gen); das spätere Vorpommern mit Stettin und den Inseln Usedom, Wollin und Rügen sowie ein schmaler Landstreifen östlich der Oder fiel an Schweden. Im 1· Nord. Krieg (1658) gewann Brandenburg-Preußen Lauenburg und Bütow, im 2. Nord. Krieg (1720) Vor-Pommern bis zur Peene, 1815 den Rest (Neu-Vorpommern) und bildete die preußische Provinz Pommern mit der Landeshauptstadt Stettin). Im Winter 1945 setzte östlich der Oder eine großangelegte Fluchtbewegung der deutschen Bevölkerung vor der vorrückenden Roten Armee ein, die nach Ostpreußen schließlich auch Pommern erfasste. Nach dem verlorenen 2. Weltkrieg kam Vor-Pommern zur SBZ (Land Meckl.-Vorp; 1952-90 aufgeteilt in die DDR-Bezirke Rostock und Neubrandenburg, 1990 wiederhergestellt); Hinter-Pommern, Stettin und Swinemünde fielen an Polen (Oder-Neiße-Linie). Für die noch in Hinterpommern verbliebenen Deutschen erfolgte zwischen 1946 und ca. 1949 die Zwangsaussiedlung (Vertriebene). Im Deutsch-Polnischen Grenzvertrag (14.11.1990) wurde die nach dem Krieg praktisch vollzogene Eingliederung (Hinter-) Pommerns in das polnische Staatsterritorium endgültig anerkannt. |
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2. Der Kreis Saatzig
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Der Kreis Saatzig gehörte politisch zum Reg.-Bez. Stettin. Gesamtfläche: 117,65 qkm; 43.258 Einwohner, davon 21.893 männlich, 21.365 weiblich; 36,8 Personen auf 1 qkm, 11.420 Haushaltungen. Im Kreis waren 96 politische Gemeinden mit insgesamt 252 Wohnplätzen; einschl. der Städte Freienwalde (3.406 Einw.), Nörenberg (3.012 Einw.), Jacobshagen (1.984 Einw.) und Zachan (1.302 Einw.) Neben den 4 Städten gab es die größeren Landgemeinden Ball mit 917, Marienfließ mit 1.031 und Seefeld mit 1.164 Einwohnern. 96,5 % der Kreisbevölkerung waren evangelisch, 2,2 % römisch-katholisch, 0,5 % gottgläubig, 0,1 % glaubenslos. Die Kreisbehörden (Landratsamt Saatzig) waren in Stargard (Stadtkreis) untergebracht. Im Kreisgebiet gab es insgesamt 92 Volksschulen mit 132 Klassen. Darin wurden unterrichtet 2.979 Jungen und 2.906 Mädchen von 115 Lehrern und 8 Lehrerinnen. Land- und forstwirtschaftliche Betriebe: 1.191 Betriebe von 0,5-5 ha, 778 von 5-10 ha, 1320 von 10-20 ha, 999 von 20-100 ha, 92 über 100 ha. 26.164 Personen arbeiteten in der Land- und Forstwirtschaft, 7.069 in Industrie und Handwerk, 2.774 in Handel und Verkehr. Die Patenschaft über den Kreis Saatzig hat nach dem Krieg der Kreis Ostholstein übernommen. |
3. Stadt Nörenberg
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Allgemeines: Die
Stadt Nörenberg (heute polnisch Insko) im Kreis Saatzig,
Regierungsbezirk Stettin, liegt in mitten eines Grund- und Endmoränengebiet
des Pommerschen Höhenrückens am 2.500 Morgen großen Enzigsee,
127 m über dem Meer. Eine gute Situationsübersicht bietet der per Klick
aufrufbare Kartenauschnitt. 1939 lebten dort 3.012 Einwohner, meist
evangelisch, in 929 Haushaltungen. Als Sommerfrische verfügte
das Städchen auch über eine bedarfsorientierte Gastronomie (u.a.
Gartenrestaurant "Silberne Maräne") sowie einige Hotels (Hotel Viktoria, Pommerscher Hof, Deutsches Haus).
Hervorzuheben ist das ehemalige Strandbad mit festen Sandgrund
und Brandungsterasse mit Wellengang (bei Westwind). Dieses
erreichte man entweder über die Seepromenade (Fußweg) oder an
Sonn- und Feiertagen mit dem Motorboot. Längs der
baumbestandenen Promenade befanden sich auch das Ost- und das
Kriegerdenkmal. In Badnähe luden die Waldhalle mit großem Krebs
und das Parkhaus sommertags zum Verweilen ein. Zur Umgebung: Nörenberg
liegt an der Stelle, wo der Hauptendmoränenwall aus der
ostwestlichen Hauptrichtung nach Süden umbiegt. In dem so
entstandenen Winkel liegt als Wasseraufstauung vor der Endmoräne
der wundervoll klare Enzigsee. Von Westen bis Norden greift er
mit fünf schmalen Buchten in die kuppige Grundmoräne hinein, den
Rinnen einst ihm unter dem Eise zufließender Schmelzwasserströme.
Die Nordrinne setzt sich in dem prachtvollen tief
eingeschnittenen Dolgensee bei Blankenhagen fort. Nach Osten
flossen einst die gestauten und den Endmoränenwall in einem
Gletschertor durchbrechenden Wasser ab, breiteten den Sander aus
und hinterließen eine Seenrinne, die hinüber zum Großen Lübbesee
weist. |
4. Stadtplan von Nörenberg
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Die Stadt Nörenberg verfügte über keinen amtlichen Stadtplan, so dass derzeit die Rekonstruktion nach F. Barran und später nachkolorierte Version mit all ihren Schwächen das Maß aller Dinge ist. |
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5. Fotosammlung "Nörenberg vor 1945"
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Mit dieser Sammlung „fotografischer Erinnerungen“ soll versucht werden, das alte Nörenberg, wie es von ca. 1900 bis 1945 Bestand hatte, bildlich zu dokumentieren. Die Mehrzahl der Bilder stützt sich dabei mangels fotografischer Alternativen auf Ansichtskarten. Diese wurden damals in der Regel von den beiden örtlichen Fotografen Rohrlapper oder Moratz aufgelegt und vertrieben. Bei einigen Fotografien bestehen erhebliche Qualitätsmängel (Flecken, Körnung, Fehlfarben); doch konnte aus dem Anspruch auf ein möglichst umfassendes Portfolio - hier auf eine Auswahl von 50 Bildern begrenzt - nicht immer auf eine Wiedergabe verzichtet werden. Die Sammlung befindet sich noch im Aufbau und wird ständig ergänzt.
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Zur Bilderschau bitte das Bild (Fotograf) anklicken: Die Sammlung wird ständig ausgebaut - helfen Sie mit! Kontakt: Eckhard Bohn , Weidenstr. 16a , 48599 Gronau/W. |
6. Notgeld - ein Relikt aus schwerer Zeit
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Beim Notgeld handelt es sich um vom Staat, den Gemeinden oder privaten Unternehmen zur Überbrückung eines Mangels an gesetzlichen Zahlungsmitteln ausgegebenes Geld. In Deutschland waren die Jahre 1918-22 der Höhepunkt der Notgeldausgabe, die v.a. durch den erhöhten Kleingeldbedarf und das Einschmelzen der Kupfer- und Nickelmünzen für den Bedarf der Rüstungsindustrie bedingt war. Ab 1918 wurde mehr Sorgfalt auf die Gestaltung der Notgeldscheine gelegt. Die Ausgabestellen erkannten bald, daß schön gestaltete Scheine in Sammlerhand blieben und nicht eingelöst wurden. Die Differenz vom Nominal zu den Druckkosten waren der Gewinn für die Ausgabestellen.
Ab 1920 wurde die Ausgabe von Notgeldscheinen zum richtigen Geschäft , es wurden große Mengen Serienscheine verausgabt, welche sich in großer Stückzahl bis heute erhalten haben. Es kam zum regelrechten Wildwuchs, der Staat duldete diese Ausgaben mehr oder minder und versuchte Mißbräuchen zu begegnen. Ausdrückliche staatliche Genehmigungen wurden abgelehnt. Mit der Hyperinflation 1922/23 verschwanden die kleinen Notgeldnominale mangels Kaufkraft. Auch die größeren Orte des Kreises Saatzig wie Freienwalde, Nörenberg und Jacobshagen beteiligten sich an der Herausgabe von Notgeld. Deren Notgeldscheine aus der Zeit des ersten Weltkrieges, sowie die bunten Serienscheine sind heute noch recht häufig zu finden und bei Sammlern sehr beliebt. Unter dem Link Notgeld (bitte anklicken) sind exemplarisch einige Nörenberger Ausgaben zu sehen, die u.a. den „Großen Krebs“ zum Thema haben. Die künstlerische Gestaltung der farbigen Motive erfolgte durch den Zeichner Koch. Abgerundet wird die Seite durch weitere Inflationsscheine (unmaßstäblich). Alle Zahlungsmittel wurden als Vertreter des Magistrats vom damaligen Bürgermeister Streit gezeichnet. |
7. Der "Große Krebs"
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Weit über Nörenberg hinaus waren sie bekannt, die Verse, die auf vielen Ansichtskarten oder Notgeldscheinen die Sage vom „Großen Krebs“ in alle Welt trugen. Dies geschah teils als mehrstrophiges Gesamtgedicht (siehe unten), teils in verkürzter oder sogar verfremdeter Fassung. Weitere Versbeispiele sind z.B. auf Ansichtskarten bzw. Notgeldscheinen abgedruckt.
Die Sage ist übrigens nicht so alt, wie man annehmen möchte. Unter den Süßwasserkrebsen, an denen der Enzigsee wie auch die vielen umliegenden Seen sehr reich waren, brach Ende des 19. Jahrhunderts eine Krankheit aus, die der Volksmund schlicht als Krebspest bezeichnete. Da zu dieser Zeit auf Grund baulicher Mängel Steine aus dem Turm der Stadtkirche bröckelten, entwickelte sich daraus die Geschichte, dass der „Große Krebs“ der Unhold sei, der die Steine des Kirchturms des Nachts anknabbert, weswegen er von den Nörenbergern einfach eingefangen und an einem Baumstumpf, der sich an einem Wasserloch, dem so genannten "Pupkenloch", befand, angebunden wurde.
Als dieses Wasserloch jedoch allmählich austrocknete und dem „Großen“ damit sein Lebenselement genommen war, wurde er „konserviert“ und unweit der ehemaligen Bleichenstelle als sichtbares Zeichen für den Wahrheitsgehalt der Sage aufgestellt. Diese Maßnahme kann man im nachhinein als clevere Marketingidee bezeichnen.
In den 20er Jahren, nach der Verlegung der Badeanstalt zum Eichfier, hieß es für den „bekanntesten Nörenberger“ noch einmal umziehen. Der Magistrat hatte hierzu entlang des Ostufers eine gepflegte Promenade angelegt, auf der man bequem zur Badeanstalt sowie den beiden Ausflugslokalen Parkhaus und Waldhalle gelangte. An der Waldhalle ausgestellt, fand der „Große Krebs“ damals sein letztes Zuhause. |
8. Literaturhinweise
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Über Pommern gibt es
sowohl aus der Zeit vor 1945 als auch der Nachkriegszeit eine
beinahe unüberschaubare Fülle von Literatur. Die jüngeren
Publikationen beziehen sich dabei insbesondere auf Hinterpommern
und sind i.d.R. durch einen starken Bildanteil geprägt. Für
lokalgeschichtliche Interessenten sind diese "Bilderbücher"
aber häufig nicht sonderlich ergiebig. |
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1.) Städte-Atlas
Pommern Polnische Homepage von Insko mit
vielen Farbfotos Deutsche Homepage vom Kreis Saatzig
mit vielen |